Agilität – Buzzword oder Zukunft der Führung?

Am 28. Oktober 2021 haben wir in unserer Zukunftsdenken.live-Veranstaltung mit der DMK E-Business GmbH über das agile Arbeiten in Teams gesprochen. Sind die Möglichkeiten der Zusammenarbeit mehr als ein Hype? 

Agilität ist das Gegenteil von Planerfüllung, hat aber nichts mit Planlosigkeit zu tun. An die Stelle starrer Ziele treten viel mehr Visionen.

Horst Wildemann, Nur die Agilen werden überleben, 2018

Was versteht man eigentlich unter Agilität und was ist ein Agile Leader?

Agilität ist die Beweglichkeit von Organisationen und Personen bzw. in Strukturen und Prozessen. Man reagiert flexibel auf unvorhergesehene Ereignisse und neue Anforderungen. Man ist, etwa in Bezug auf Veränderungen, nicht nur reaktiv, sondern auch proaktiv.

Überträgt man die Merkmale von Agilität auf die Art der Führung, bedeutet das eine werteorientierte, kompetente und methodische Führung von Personen, Teams und der ganzen Organisation. Der unternehmerische Zweck dient dabei der Orientierung.

Was sind die Gründe und Triebkräfte der Veränderung?

  • Technologischer Fortschritt (insb. Digitalisierung)
  • Globalisierung und globaler Wettbewerb
  • Wertewandel und verändertes Anspruchsdenken
  • Veränderte Kundenbedürfnisse
  • Neue Formen der Zusammenarbeit
  • Fachkräftemangel

Was ist VUCA und wie können Unternehmen reagieren?

VUCA ist ein Akronym und steht für die Begriffe volatility (Volatilität), uncertainty (Unischerheit), complexity (Komplexität), und ambiguity (Mehrdeutigkeit). Das VUCA-Modell wurde ursprünglich vom US-Militär nach dem Kalten Krieg geprägt. Zunehmend fand dieses Konzept auch in der Geschäftswelt Anwendung, um aktuelle Herausforderungen sowie Risiken zu beschreiben und zu analysieren.

Grafiken: DMK E-Business
  • Volatilität: Um die Folgen von Volatilität zu minimieren, sollten Unternehmen Risikoanalysen durchführen und Kapazitätsreserven aufbauen.
  • Unsicherheit: Als Reaktion auf die wachsende Unsicherheit in der heutigen Geschäftswelt lohnt es sich, in die Kapazitäten zur Sammlung und Verarbeitung von Informationen zu investieren. Die Investition in Wissensmanagement und Bereichsübergreifenden Austausch sichert die Reaktionsfähigkeit des Unternehmens.
  • Komplexität: In Zeiten der fortschreitenden Digitalisierung bieten sich auch immer mehr technische Lösungen an, um der steigenden Komplexität zu bewältigen. Umstrukturierungen oder Neudenken von Arbeitsbereichen können die Wettbewerbsfähigkeit sichern.
  • Mehrdeutigkeit: Als Reaktion auf die Mehrdeutigkeit von Geschäftssituationen sollen Unternehmen evaluieren, ob das Eingehen von Risiken im gewünschten Verhältnis zum möglichen Gewinn steht. Die aufgestellten Hypothesen sollten zunächst in Versuchsmärkten oder Testbereichen erprobt werden.

Wie kann Agilität in der Projektarbeit aussehen?

Einige Methoden erklärt:

Scrum wurde für die agile Softwareentwicklung entwickelt und teilt die Projektlaufzeit in Etappen oder Sprints ein. Am Ende jedes so genannten Entwicklungsschritts muss das Team dem Kunden ein funktionsfähiges Zwischenergebnis präsentieren können. Daraus resultiert das Feedback, womit der nächste Sprint eingeleitet wird. Der gesamte Prozess wird durch den Scrum Master überwacht und gesteuert.

Design Thinking thematisiert unter anderem anhand von Prototypen zu eruieren, wie Produkte und Lösungen beim Kunden ankommen. Nutzerzentriertes Denken und Diskutieren wird durch visuelle Techniken unterstützt. Dabei kommen Bastelmaterialien, Moderationsmaterial, Tafeln und Präsentationstische zum Einsatz.

Kanban steht für „Anzeigebrett“ und wurde 1947 bei Toyota entwickelte. Grundlegende Idee war es, den Materialfluss in der Produktion nach dem Supermarktprinzip durch Post-Its auf einer Tafel besser zu organisieren. Jeder Klebezettel repräsentiert eine Aufgabe, wodurch die Arbeitsteilung transparenter und effizienter wird. Inzwischen wird nicht mehr auf Klebezettel, sondern auf digitale Tools zurückgegriffen.

Wie unterscheidet sich agile Führung von der klassischen Führung?

Klassische Führung

  • Die oberste Führungskraft trifft maßgebliche, strategische Entscheidungen.

  • Die Gesamtstrategie und Vision werden von der obersten Führungsebene festgelegt.
  • Die Geschäftsführung gibt klare Vorgaben für die Umsetzung des Handlungsplanes.
  • Die Führungskraft kontrolliert, was passiert. Das heißt, diese achtet darauf, dass Ziele erreicht, gewünschte Verhaltensweisen gezeigt und Vorgaben eingehalten werden.

    Bei Abweichungen wird das Team gibt es kritisches Feedback um einen Lerneffekt im Team zu erzeugen.

  • Vorgehen in Projekten: Zieldefinition, Planung, Abarbeiten, Kontrollieren, ggf. Korrektur.
  • Die Kommunikation ist sachlich, faktenbasiert und seriös.

Agile Führung

  • Gemeinsamens Wissen wird genutzt, um Entscheidungen zu treffen.

  • Die Strategie, die Ziele und Vorgehensweisen werden gemeinsam im Team diskutiert, damit alle Sichtweisen einfließen können.

  • Führungskräfte definieren die grobe Richtung, also die Leitplanken, innerhalb derer Mitarbeitende selbst entscheiden. Das ist schneller und die Entscheidungen sind näher an der Realität.

  • Vertrauen und „machen lassen“ heißt es in agilen Teams. Das Team gibt regelmäßige Berichte an die Geschäftsführung.

    Abweichungen und unerwartete Ergebnisse sind möglich und wünschenswert. Daraus entstehen neue Ideen und Innovationen.
  • Das Vorgehen ist iterativ, nur die nächsten Schritte werden geplant, dann holt man sich Feedback, und passt gegebenenfalls den Kurs an. Kursänderung ist jederzeit möglich.

  • Die Kommunikation ist emotional, begeisternd und kreativ.

Mindset, Methode & Organisation – Rahmenbedingungen und Erfahrungen des agilen Arbeitens

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Seminaraufzeichnung vom 28. Oktober 2021

Ihre Ansprechperson:

Claudia Gränitz-Kleiber

MIKOMI | Hochschule Mittweida

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